Looki L1 – eine ziemlich andere Art, eine Kamera zu benutzen
In meinem letzten Urlaub in der Türkei hatte ich ausgiebig Gelegenheit, die Looki L1 im wirklichen Alltag zu testen. Sie war bei Spaziergängen dabei, auf dem Basar, beim Essen und bei meinen Fahrten mit dem Dolmuş.
Mein Eindruck nach dieser Zeit: Ich finde das Konzept der Looki ausgesprochen innovativ, weil sie einen ganz anderen Ansatz verfolgt als alle Kameras, die ich bisher benutzt habe.
Eine Kamera, um die ich mich nicht ständig kümmern muss
Normalerweise muss ich bei einer Kamera selbst entscheiden: Jetzt möchte ich etwas aufnehmen. Ich starte die Aufnahme, kümmere mich um die Kamera und beende sie anschließend wieder.
Bei Looki ist das Grundprinzip ein anderes.
Ich kann die kleine Kamera über längere Zeit einfach tragen und meinen Tag erleben. Je nach Einstellung nimmt sie in bestimmten Intervallen kurze Sequenzen auf oder reagiert im AI-Modus selbstständig auf das Geschehen.
Das Entscheidende ist für mich diese Unabhängigkeit. Ich muss nicht ständig daran denken, die Kamera zu bedienen.
Trotzdem gebe ich die Kontrolle nicht vollständig ab. Wenn vor mir etwas passiert, das ich ganz bewusst festhalten möchte, kann ich jederzeit zusätzlich ein Foto aufnehmen oder gezielt eine Videoaufnahme starten – unabhängig von den automatischen Mitschnitten.
Gerade diese Kombination macht das System für mich so flexibel: Die Kamera kann selbstständig dokumentieren, aber ich kann jederzeit eingreifen, wenn mir ein bestimmter Moment wichtig ist.
Musik im Video ausgeblendet wegen Musikrechten..
Aus Aufnahmen wird ein Tagebuch
Der zweite große Unterschied zeigt sich nach der Aufnahme.
Looki sammelt nicht einfach nur Videoclips. Nach dem Hochladen verarbeitet die KI das Material und erstellt daraus unter anderem Zusammenfassungen, Journal-Einträge, Comics sowie automatisch zusammengestellte Geschichten und Videos.
Damit entsteht eine Art visuelles KI-Tagebuch.
Während meines Urlaubs fand ich gerade das spannend. Auf dem Basar, im Dolmuş oder bei meinen langen Spaziergängen entstanden kleine Szenen, die ich mit einem Smartphone wahrscheinlich niemals bewusst aufgenommen hätte.
Die KI kann den gesammelten Kontext anschließend sogar für weitere Fragen nutzen. Wir haben beispielsweise anhand eines aufgezeichneten Tages Bewegung und Mahlzeiten betrachtet und daraus eine grobe Einschätzung der Energiebilanz vorgenommen. Natürlich ersetzt das weder einen Fitnesstracker noch medizinische Messungen. Es zeigt aber, welches Potenzial darin steckt, wenn eine KI nicht nur einzelne Aufnahmen, sondern den Zusammenhang eines Tages kennt.

Besonders gefallen mir die automatisch erstellten Comics. Aus einem gewöhnlichen Tag entsteht dadurch noch einmal eine ganz eigene kleine Geschichte.

Mehr als ein automatischer Videoschnitt
Natürlich hält KI inzwischen auch bei klassischen Kameras Einzug. Meine Insta360 X6 kann beispielsweise mit dem AI Director interessantes Material erkennen und daraus automatisch Videos erstellen.
Für mich ist das trotzdem nicht dasselbe.
Bei einer klassischen Actioncam bleibt das Video das eigentliche Ziel. Die KI hilft anschließend bei Auswahl und Schnitt.
Bei Looki steht stärker das Erlebnis selbst im Mittelpunkt. Die KI versucht zu verstehen, was an diesem Tag passiert ist, ordnet Situationen ein und macht daraus Journal, Geschichte, Comic oder Video.
Genau dieser Ansatz unterscheidet die L1 für mich von anderen Kameras, die ich kenne.

Wo ich Verbesserungsmöglichkeiten sehe
Ganz perfekt ist die Looki L1 für mich allerdings noch nicht. Mein größter Kritikpunkt sind die Magnete der mitgelieferten Befestigungen. Bei einer Kamera, die ich möglichst unbemerkt über längere Zeit tragen möchte, wünsche ich mir eine deutlich kräftigere Verbindung.
Ich habe deshalb eine eigene Lösung gefunden und verwende einen eigentlich für Smartphones gedachten UAG Monarch Mag² Dual Magnetic Ring Stand.
Besonders am Kragen eines Polo-Shirts funktioniert das für mich sehr gut, aber auch bei Rundkragen habe ich damit experimentiert. Der stärkere Magnet gibt mir mehr Sicherheit und bringt die Kamera gleichzeitig weiter nach oben an den Halsansatz.

Gerade bei meinen Auftritten als Karikaturist ist diese höhere Position wichtig. Hängt die Kamera zu tief an der Brust, können Staffelei, Tisch oder meine eigenen Arme die Sicht auf meine Zeichnung und mein Modell verdecken.
Am Kragen kommt die Perspektive dagegen wesentlich näher an einen natürlichen Point of View heran.
Eine wichtige Erkenntnis aus meinen Versuchen lautet deshalb: Bei einer Wearable-Kamera ist nicht nur entscheidend, was sie kann, sondern auch, wo man sie trägt.
Ein Wunsch bleibt noch
Bei meinen ersten Versuchen hatte ich regelmäßige Mitschnitte von ungefähr 15 Sekunden Länge. Diese gefielen mir persönlich besser als die inzwischen kürzeren Sequenzen, weil Gespräche und Situationen darin etwas mehr Zeit hatten, sich zu entwickeln. Auch eine deutsche Systemsprache wäre toll, wenn Captions und Journals in Deutsch wären, sind alle meine Wünsche erfüllt, was die L1 von Looki betrifft.
Letztlich zählt für mich jedoch das Ergebnis – und das finde ich nach wie vor überzeugend.
Mein Fazit
Für mich liegt die eigentliche Innovation der Looki L1 nicht in einem einzelnen technischen Feature.
Es ist die Art, wie ich mit dieser Kamera umgehe.
Ich muss nicht permanent entscheiden, was aufnahmewürdig ist. Ich kann sie einfach mitnehmen und meinen Tag erleben. Sie sammelt selbstständig Eindrücke – und wenn mir etwas besonders wichtig erscheint, kann ich jederzeit selbst ein Foto oder Video aufnehmen.
Später macht die KI aus diesen einzelnen Momenten etwas, das weit über eine Sammlung von Videodateien hinausgeht: ein Journal, eine Zusammenfassung, einen Comic oder eine kleine Geschichte meines Tages.
Die Looki L1 ist für mich deshalb weniger eine weitere kleine Kamera. Sie ist ein anderer Ansatz dafür, wie eine Kamera Teil des Alltags sein kann – ohne dass ich meinen Alltag ständig für die Kamera unterbrechen muss.